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Tiepolos Fehler – Kommissar Kilians erster Fall

21. August 2009 | Von Roman Rausch | Kategorie: Kriminalroman, Schreiben
Ausschnitt aus: Tiepolos Deckenfresko "Die vier Erdteile", Residenz Würzburg

Ausschnitt aus: "Die vier Erdteile", Giovanni Battista Tiepolo, Deckenfresko in der Residenz zu Würzburg

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Der Maestro ist zurück

Seit 200 Jahren ist der Maestro Giovanni Battista Tiepolo tot. Er schuf ein Meisterwerk, das es auf der ganzen Welt nur einmal gibt – das größte freihängende Deckenfresko: die “Vier Erdteile”. Einer seiner Schüler will vollenden, was Tiepolo zu Lebzeiten nicht vollbrachte: Das absolute Werk. Der Himmel über der nächtlichen Residenz zu Würzburg braut sich indes bedrohlich zusammen. Blitz und Donner beenden einen heißen, blutigen Sommertag. Unter dem Deckenfresko trifft ein neugieriger Wachmann auf eine Gestalt, die längst verstorben schien. Die Feder in ihrer Hand ist der Fingerzeig des Ruhmes, aber auch des Todes.

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Rezensionen

“270 Seiten Spannung.” (aspekte, ZDF)

“Der Mann hat einen Bestseller geschrieben.” (Süddeutsche Zeitung)

“Eine raffiniert gebaute Geschichte.” (Hamburger Abendblatt)

“Mitten ins fränkische Herz.” (Main Post)

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Textauszug

Hinter der Flügeltür zum Weißen Saal trat leise jemand hervor und näherte sich dem Wachmann, der sich erleich­tert umdrehte.
«Na endlich, wie lange soll ich …», konnte er noch sagen, bis er stockte, da er sich einer seltsamen Gestalt gegenüber­sah. Ungläubig musterte er sie im schwachen Schein des einfallenden Lichts.
Auf dem Kopf schien die Gestalt eine seltsame Kappe zu tragen, darunter einen für die Jahreszeit mörderisch war­men Frack, Kniebundhosen und zu guter Letzt Schuhe, die sich spitz nach oben kringelten. Ein Blitz von draußen er­hellte die bizarre Szenerie schlagartig. Er starrte für einen Moment in die schmalen Gesichtszüge eines jungen Man­nes. Seine dünnen Lippen waren zu einem wirren Lächeln verzogen, die schmale Nase führte zu einem Augenpaar, das durch zwei dünne, für einen Mann außergewöhnlich ge­pflegte Augenbrauen eingerahmt war.
«Che cosa c’è?», fragte der junge Mann übertrieben freundlich. Dabei zog er das è gekünstelt in die Höhe. Die Lippen versprachen dem Wachmann Hilfe, doch die Augen blieben kalt.
«Wer … wer sind Sie?», wollte der Wachmann wissen.
«Sono il maestro.»
Dieses Mal veränderte er die vorher helle Stimme zu ei­nem dunklen Bass. Er legte seine von einem farbverschmier­ten Handschuh verhüllte Hand auf die Schulter des Wach­mannes und hielt sie umklammert.
Der Wachmann schaute verdutzt der noch immer lä­chelnden Gestalt ins Gesicht, wartend, was als Nächstes ge­schehen würde.
Langsam erhob sich die andere Hand. Sie hielt etwas Ge­bogenes, Helles, mit einer scharfen Spitze. Eine Feder. Als der Arm ganz ausgestreckt war, schoss er herab. Die Feder bohrte sich in den Hals des Wachmannes. Durch die Wucht des Stoßes drohte dieser über die Balustrade zu fallen. Seine Augen waren weit aufgerissen, aus seinem Mund traten schaumiges Blut und ein kehliges Röcheln, das im aufsto­ßenden Blutschwall schnell erstickte. Der dünne Faden ver­lor sich im fahlen Lichtschein hinab ins Dunkel, mit einem Ruck folgte der schwammige Körper. Der Aufschlag war dumpf. Eine Holzlatte brach.
Oben an der Balustrade hielt die Gestalt die Feder in das einfallende Straßenlicht. Einem Thermometer gleich, sog sich das Blut am Schaft entlang in die Höhe und verteilte sich nach außen in die Federn. Das Rot begann die Gestalt zu begeistern, und die Bewunderung wuchs im Tempo des aufsteigenden Saftes.
«Che rosso!», rief sie aus, als ein Blitz das Treppenhaus in gleißendes Blau tauchte und der Donner des Gewitters die Fenster erschütterte.

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Tiepolos Fehler

Roman Rausch. rororo 2003, Taschenbuch, 352 Seiten, € 8,95

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3 Kommentare
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  1. Für mich ist die Kritik an der Nebenhandlung und dem fränkischen Dialekt nicht nachvollziehbar,
    da gerade das den Charme der Serie ausmacht und m.E. dadurch das ganze authentisch wird
    (Ich fand bei “Lammbock” es furchtbar, das selbst in der Würzburger Bäckerei hochdeutsch gesprochen wurde)

    Freue mich trotzdem auf den nächsten Fall- wenn auch leider dialektreduziert und ohne Befreiungskämpfe.

    Aber nach dem Buch ist vor dem Buch:

    Einfach mal als Idee in den Raum geworfen für weitere Tatorte:
    -Veitshöchheim (“Fastnacht in Franken”):
    [Fasching ist der Zeitraum, in der die Menschen ihre Masken abnehmen
    und Mitmenschen mit ihren wahren Gesichtern erschrecken]
    -Fettschmelze in Hetz´feld

    Schöne Grüße nach Wü

  2. @ Gigy
    Es freut mich, dass Ihnen die Geschichten mit Kommissar Kilian & Co gefallen.
    Im August 2010 erscheint sein siebter Fall “Die Seilschaft”. Ich hoffe, dass ich Sie auch dann als Leser gewinnen kann.
    Bezüglich der Ostfränkischen Befreiungsloge (“Die Loosche”):
    Ich habe dafür sehr viel Kritik einstecken müssen, nicht zuletzt wegen des fränkischen Dialekts. Jeder, der nicht mit dem mainfränkischen Dialekt vertraut ist, wird sich mit dem Lesen und dem Verstehen schwer tun. Daher habe ich bis auf Weiteres auf die Loosche verzichtet.
    Ich hoffe, Kilian & Co bleiben dennoch lesenswert.

  3. Ein Bekannter hat mir das Buch geliehen, und ich war begeistert.
    Das liegt wahrscheinlich hauptsächlich daran, daß ich über 5 Jahre in Wü gelebt habe,
    die Straßennamen, Kneipen etc. sind persönlich bekannt.
    In einem Amazon-Kommentar wurde über die Parallelhandlung der fränkischen Widerstandsgruppe geschimpft,
    mir hat gerade dieser Nebenschauplatz gefallen, die Aktion auf der Löwenbrücke hat bei mir einen herzhaften Lachanfall erzeugt,
    die frankentreuen Bemerkungen gegenüber München und Bayern sind geradezu Zitate von mir.

    Kurzum, ich füllte mich irgendwie heimisch und mit den Personen vertraut. Das Buch macht geradezu süchtig, bevor es nicht durchgelesen war, habe ich es kaum aus den Händen gelegt.

    Habe zwischenzeitlich auch die anderen Bücher gelesen und freue mich auf Sommer, wenn das neue Buch rauskommt.

    Würde mir für die nächsten Fälle wieder Aktionen der Heinlein-Truppe als Parallelhandlung wünschen, allerdings mit Niveau.
    Und selbst den guten Oberbazi fange ich an zu vermissen, was wäre Dallas ohne JR gewesen?

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