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Meet the Monster

22. August 2009 | Von Roman Rausch | Kategorie: Kriminalroman, Schreiben

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Das Verhör. Profiler vs. Serienmörder

Drei Jahre lang war Ruhe. Jetzt geht in Berlin-Wedding wieder ein Mörder um – der »Türken-Schlitzer«, wie er von der Boulevard-Presse genannt wird. Der Polizeipsychologe Staudt sucht den für die früheren Morde verurteilten Täter im Gefängnis auf. Doch das Gespräch, das anfangs an das Psychoduell zwischen Hannibal Lecter und FBI-Agentin Clarice Starling in »Das Schweigen der Lämmer« erinnert, nimmt eine andere Wendung, als geplant.
Ein raffiniert inszeniertes Kammerspiel beginnt – mit einem überraschenden letzten Zug.

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Rezensionen

“Eine wahre Krimi-Essenz, die auf nur 64 Seiten überzeugt. Unheimlich prickelnd und überraschend.”
(Die Krimikiste
. Hier den Podcast hören.)

“Roman Rauschs ‘Meet the Monster’ ist ein trefflich ausgeklügelt Ding.”   (Eulenspiegel)


Leseprobe

+++ Zur Aufnahme in die Ermittlungsakten +++


Telefonnotiz
Berlin, 11. Februar 2008
von: KHK Jürgen Fiska, Leitung Soko »Nazareth«, Kriminalinspektion III, Berlin-Mitte
Gespräch mit: Dr. Felix Staudt, Kriminalpsychologe
In Kopie an: StA Rüdiger Skalzky, Staatsanwaltschaft und KHK Stefan Blücher, LKA 1

Betrifft: Befragung des Mike Warneke

Dr. Staudt lehnte zum wiederholten Mal Befragung des in der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik verwahrten MikeWarneke ab. Grund: Er sei seit einem Jahr nicht mehr als Sachverständiger tätig. Stattdessen konzentriere er sich ganz auf seine Malerei.
Mit Verweis auf die aktuellen Serientötungen der Sezen B. und der Hülya F. durch den von den Medien so bezeichneten Türken-Schlitzer ließ er sich überzeugen. Eine Kopie ausgewählter Ermittlungsergebnisse wird ihm zugestellt.
In Sachen Selima Kantaoui: Unser Mann ist für das Gespräch umfassend instruiert. Auf sein Betreiben hin wird eine Gegenüberstellung mit der Zeugin Shaadi Khorasani in die Wege geleitet.

gez. J. Fiska, KHK

+++ EndeTelefonnotiz +++


13. Februar 2008, 16 Uhr, Besprechungszimmer

Ein Tisch, zwei Stühle.
Dr. Felix Staudt hat die Ermittlungsakte vor sich ausgebreitet. Ihm gegenüber lümmelt Mike Warneke rauchend auf einem Stuhl. Ein Mikrofon und zwei Videokameras, jeweils hinter den Beiden angebracht, übermitteln das Gespräch in den Nebenraum zu KHK Fiska und seinen Kollegen.
Staudt, ein gepflegter Endfünfziger im legeren Zweiteiler und Seidentuch im Hemdkragen, fühlt sich in der tristen Umgebung der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik sichtlich unwohl. Er überspielt es mit der bemühten Freundlichkeit eines Gastes, der schnellstens die Heimreise antreten will.
Warneke, seit einem Jahr im Maßregelvollzug, wirkt innerlich ruhig, beinahe abgeklärt. Nach außen hin vermittelt er jedoch einen ungehobelten, aggressiven Eindruck. Die Jahre der Arbeitslosigkeit und des Alkoholismus haben Spuren in seinem Gesicht hinterlassen.

»Hallo Mike. Wie geht es Ihnen?«
»Tausch’n wa. Dann weeßte des.«
»Haben Sie Verständnis, wenn ich Ihr Angebot ausschlage. Es gefällt mir auf meiner Seite ganz gut. Was macht die Therapie?«
»Wenn de vorher nich bekloppt warst, hier drinne wirstes.«
»Fühlen Sie sich unzureichend behandelt?«
»Ick hab keen Bock auf die Scheiße hier. Wat soll’n dit ›Warum‹ und ›Wie‹? Wie soll ick dit wiss’n?«
»Es würde Ihnen helfen, wenn Sie sich Ihre Taten eingestehen.«
»Drauf jeschiss’n. Ick war dit nich.«
»Die Beweislage war erdrückend.«
»Nach deinem Profil könnte dit jeder Arsch im Kiez jewesen sein. Warum jerade icke, Mann?«
»Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen geführt. Ich stand nur beratend zur Seite … Aber das ist Vergangenheit. Lassen Sie uns über den eigentlichen Grund meines Besuchs sprechen.«
»Schon klar. Isser wieder unterwegens, wa?«
»Wen meinen Sie?«
»Den Türken-Schlitzer. Darum biste doch hier.«
»Ich wurde von der Kriminalpolizei gebeten, mit Ihnen über die beiden Mordfälle zu sprechen, die sich seit August vergangenen Jahres zugetragen haben. Zwei junge türkische Frauen wurden tot auf dem Spielplatz hinter der Nazarethkirche gefunden. Sie waren grausam zugerichtet an eine Verstrebung genagelt worden. Ähnlich wie Christus am Kreuz. Ihre nackten Körper waren übersät mit Wunden, die ein scharfes Messer hinterlassen hat. Statt einer Dornenkrone trugen sie ein Kopftuch. Nur die Augen blickten darunter hervor. Somit hat der Täter ihnen zumindest ein wenig Würde zugestanden. Finden Sie das nicht auch?«


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Meet the Monster

Roman Rausch. Edition Nautilus 2008, Broschiert, 62 Seiten, € 4,00

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